Sven und Yanik Mühler (2 + 4 v. l.) hatten Mitglieder der Wirtschaftsjunioren und des Wirtschaftskreises Lüdenscheid zu einer Betriebsbesichtigung ihres Unternehmens eingeladen.
Wirtschaftsjunioren und Wirtschaftskreis Lüdenscheid zu Gast bei Kämper Drahtumformtechnik
Für ihre erste diesjährige Betriebsbesichtigung hatten die Wirtschaftsjunioren Lüdenscheid das Unternehmen Wilhelm Kämper GmbH u. Co. KG aus gutem Grund ausgewählt. Zum einen stand kaum ein anderer Lüdenscheider Betrieb mehr im Brennpunkt des durch den Brückenneubau verursachten Verkehrschaos als das an der Altenaer Straße 184 ansässige Familienunternehmen. Und zum anderen ist Yanik Müchler, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Sven in der fünften Generation führt, der designierte Nachfolger des amtierenden Sprechers der Wirtschaftsjunioren, Tim Stabenau. Kein Wunder also, dass die Betriebsbesichtigung am 12. März restlos ausgebucht war.
In seinen einleitenden Worten befasste sich Yanik Müchler allerdings nur am Rande mit der schwierigen Zeit, die durch Brückensperrung, Abriss und Neubau zu meistern war und das Unternehmen von fast 80 auf 60 Mitarbeiter schrumpfen ließ, wobei „wir Kündigungen weitestgehend vermeiden konnten“. Wichtiger war ihm, die Visionen, Werte und Leistungen des Unternehmens darzustellen, das sich als „global tätiger innovativer Problemlöser für hochkomplexe Kundenanforderungen in der Metallverarbeitung mit enkelfähiger Unternehmensführung“ versteht. Verantwortung und Verbindlichkeit sind Werte, die Kämper nicht nur gegenüber ihren Kunden wahrt, sondern auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Klimaneutralität und nachhaltiges Handeln werden ebenso großgeschrieben wie Smart Factory und eine starke Vernetzung. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. In 12 Jahren möchte das traditionsreiche Familienunternehmen seinen 150. Geburtstag feiern.
Das Unternehmen Kämper hat in den vergangenen Jahren viel in ihren Standort an der Altenaer Straße investiert. Waren es 2013, passend zum 125jährigen Firmenjubiläum, die Erweiterung der Produktionsstraße und der aufwändige Anbau einer Logistikhalle und 2021 die Inbetriebnahme einer komplexen, servoelektrischen Spezialdrahtbiegemaschine, so kam letztes Jahr eine hochmoderne Schweißanlage hinzu. „Wir müssen uns beständig weiterentwickeln“, erklärte Yanik Müchler. Dauerhaftes Investieren sei unerlässlich. Reagieren will das Unternehmen auf die sich ständig verändernden Herausforderungen, etwa durch die Erhöhung des Exportanteils. Der ist mit aktuell 60 Prozent bereits beträchtlich. Es gäbe gute Gründe ihn weiter zu erhöhen und sich künftig verstärkt auf dem nordamerikanischen Markt zu engagieren.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1888 befindet sich das Unternehmen Kämper an der Altenaer Straße 184. Teile der Produktionsstätte stehen auf dem Kellergewölbe des Gründerhauses. Beim Rundgang durch die Produktion erinnerte Sven Müchler daran, dass hier in den Anfangsjahren ein Wasserrad über Transmissionen die Maschinen angetrieben hätte. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Zwar verrichten noch immer einige hydraulische Biegemaschinen zuverlässig ihre Arbeit und geben den Blick auf ihre solide Mechanik frei. Aber ansonsten bestimmt ein moderner Maschinenpark das Bild. „Über 1500 Tonnen Draht werden hier zu über 40 Millionen Bauteilen pro Jahr verarbeitet“, informierte Yanik Müchler. Produziert würden anspruchsvolle Draht- und Biegeteile für industrielle Anwendungen in der Automobil- (55%) Spielzeug- (10%), Elektro- (10%) und Bauindustrie (15%). Die besondere Kompetenz des Unternehmens sei die Kombination verschiedener Technologien. Zusammen mit flexiblen Strukturen und kurzen Entscheidungswegen ermögliche das maßgeschneiderte Lösungen für die unterschiedlichsten Anforderungen. Kämper produziere nicht einfach Biegeteile, sondern „Wir stellen technische Funktionen aus Draht her.“